Kartographie

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Kar|to|gra|phie 〈f. 19; unz.〉 = Kartografie

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Kartographie
 
die, -, Wissenschaft und praktische Tätigkeit, die sich mit der Herstellung und Nutzung (Modellierung) von raumbezogenen Informationen unter Verwendung grafischer (analoger) und grafikbezogener (digitaler) Ausdrucksmittel (Zeichensysteme) befasst. Ziel und Gegenstand der Modellierung sind v. a. Karten, aber auch Karten verwandte Darstellungen (Globus und Kartenrelief als gegenständliche dreidimensionale Form sowie Blockbild, Profil, Luft- und Satellitenbildkarte, Panoramakarte, Stereodarstellungen nach dem Anaglyphenverfahren u. a.).
 
Die wissenschaftliche Kartographie untersucht das Wesen kartographischer Ausdruckformen sowie die Grundlagen von deren Herstellung und Anwendung im Prozess menschlicher Kommunikation. Theoretische Kartographie und empirische Kartographie tragen hier auf spezifischer Weise zur fachbezogenen Erkenntnisgewinnung und Theorienbildung bei. Die praktische Kartographie wendet Methoden und Verfahren an, die sich sowohl auf Kartenherstellung als auch auf Kartennutzung beziehen. Die Bereiche der wissenschaftlichen und der praktischen Kartographie durchdringen sich heute, besonders im Rahmen der digitalen Kartographie, immer stärker. Daneben ist auch eine Gliederung der Kartographie in allgemeine Kartographie und angewandte Kartographie üblich. Die allgemeine Kartographie umfasst theoretische Komponenten (Theorie des Raumbezuges, der Kartengrafik, der kartographischen Kommunikation u. a.) und methodische Komponenten (Methodik der Kartengestaltung und der Kartennutzung) sowie die Verfahren und Techniken zur Kartenherstellung und -nutzung. Die angewandte Kartographie befasst sich mit den Arbeits- und Einsatzgebieten kartographischer Darstellungen, woraus sich eine Unterteilung in topographische Kartographie und thematische Kartographie ergibt, Letztere mit weiterer sach- und funktionsbezogener Differenzierung. Ziel der Kartographie war ursprünglich die Bereitstellung genauer topographischer Unterlagen (über die einzelnen Erdteile) sowie die Darstellung von Besitz- und (politischen) Zuständigkeitsgrenzen und v. a. von Verkehrswegen (Straßen, Küsten mit Häfen). Daneben liegt ihre heutige Aufgabe in der Verdeutlichung und Erkenntnis räumlicher Strukturen aus vielen Bereichen von Natur und menschlichem Wirken einschließlich der Darstellung von Planungen.
 
 
Die frühesten erhaltenen kartographischen Dokumente stammen aus Mesopotamien (Tontafeln um 3800 v. Chr.); die erste bekannte Weltkarte (und einzig erhaltene aus dem Altertum) stammt aus spätbabilonischer Zeit (um 600 v. Chr.), eine schematische, in eine Tontafel eingeritzte Darstellung. In Ägypten wurden spätestens seit etwa 2000 v. Chr. Kartographie und Vermessungskunde gepflegt; der »Goldminenpapyrus« (13. Jahrhundert v. Chr.; Turin, Museo Egizio), eine Orientierungshilfe in unmaßstäblicher perspektivischer Darstellungsweise, gilt als älteste Bergwerkskarte. Die griechischen Geographen entwickelten die wissenschaftliche Kartographie durch die ersten Projektionen (Kartennetzentwürfe). Die erste griechische Weltkarte soll Anaximander von Milet entworfen haben. C. Ptolemäus (etwa 150 n. Chr.) zeichnete wahrscheinlich Weltkarten, Erdteil- und Länderkarten; die ältesten erhaltenen Kopien stammen aus dem 12. Jahrhundert Eratosthenes von Kyrene entwarf eine Gradnetzkarte der antiken Welt. Die römische Kartographie war nach praktischen Gesichtspunkten ausgerichtet; v. a. Wegekarten (Itinerar) waren bedeutend, ferner Grundstücksaufnahmen und runde Weltkarten. Die Peutingersche Tafel ist die mittelalterliche Abschrift einer römischen Straßenkarte (12. Jahrhundert). Im Mittelalter widmeten sich besonders die Araber der Kartographie. Die meist in Klöstern betriebene Kartographie des Abendlands brachte keinen Fortschritt. Dieser setzte erst mit zunehmender Seefahrt im 15. Jahrhundert ein (Portolane). Die Renaissance befruchtete die Kartographie v. a. in Italien (Fra Mauro), Deutschland (M. Waldseemüller, M. Behaim, G. Mercator) und den Niederlanden (W. J. Blaeu), und der Einsatz der Drucktechnik förderte die Verbreitung von Karten. Neben Seekarten entstanden Landkarten, Atlanten und Globen. Vom Ende des 18. Jahrhunderts an wurden die Karten, ausgehend von Frankreich (C.-F. Cassini), auf der exakten Grundlage trigonometrischer Vermessungen hergestellt.
 
 
E. Imhof: Gelände u. Karte (Zürich 31968);
 G. Grosjean u. R. Kinauer: Kartenkunst u. Kartentechnik. Vom Altertum bis zum Barock (1970);
 R. Kinauer: Gesch. der K. (Bern 31996);
 E. Arnberger u. I. Kretschmer: Wesen u. Aufgaben der K., 2 Tle. (Wien 1975);
 I. Kretschmer: Themat. K. (31993);
 F. Töpfer: Kartograph. Generalisierung (Gotha 21979);
 W. Witt: Lex. der K. (Wien 1979);
 
ABC Kartenkunde, hg. v. R. Ogrissek (1983);
 L. Zögner: Bibliogr. zur Gesch. der dt. K. (1984);
 
Lex. zur Gesch. der K. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg, bearb. v. I. Kretschmer u. a., 2 Bde. (Wien 1986);
 
The history of cartography, hg. v. J. B. Harley u. a., auf mehrere Bde. ber. (Chicago, Ill., 1987 ff.);
 L. Bagrow u. R. A. Skelton: Meister der K. (61994);
 G. Hake u. D. Grünreich: K. (71994);
 A. H. Robinson u. a.: Elements of cartography (New York 61995);
 M.-J. Kraak u. F. Ormeung: Cartography (Harlow 1996);
 H. Wilhelmy: K. in Stichworten (Zug 61996).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Expansionismus Europas: Seine italienischen Anfänge im Spätmittelalter
 

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Kar|to|gra|phie, (auch:) Kartografie, die; -: Wissenschaft, Technik der Herstellung von [Land]karten.

Universal-Lexikon. 2012.

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